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Verkehrsmeldung

In dieser Kolumne schauen wir auf große und kleine Ereignisse, Nachrichten und Meldungen der vergangenen ÖPNV-Wochen zurück – manchmal mit dem Blick über den Tellerrand, manchmal mit einer Prise Humor, aber immer mit viel Liebe für ein System, das täglich Millionen von A nach B bringt

Berlin trainiert. NRW legt nach. Brüssel prüft. (8. Januar 2026)

Text: Frank Sträter

Mehr Sicherheit, mehr Selbstvertrauen: Personen mit eingeschränktem Geh- oder Sehvermögen sind im Alltag oft mit Barrieren und Herausforderungen konfrontiert, auch im Nahverkehr. Die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) bietet deshalb regelmäßig Mobilitätstrainings an. Hier lernen Betroffene, wie sie sicher und selbstbestimmt mit Bus, Straßenbahn und U-Bahn unterwegs sind. „Ich weiß genau, wie sich Unsicherheit anfühlt, wenn man neu im Rollstuhl sitzt“, erinnert sich Dennis Vielitz, der 2022 an so einem Mobilitätstraining teilgenommen hat. „Die Unterstützung hat mir damals so viel Mut gemacht.“ Seit 2024 ist Vielitz selbst ehrenamtlicher BVG-Trainer, hat 2025 gemeinsam mit seinen Kolleg:innen rund 200 Personen geschult. Die ersten Termine für Trainings in 2026 sind schon buchbar.

Gute Nachrichten für Fahrgäste gibt es auch in Nordrhein-Westfalen, wo die landesweite Fachkräfte-Offensive nun ihre gewünschte Wirkung entfaltet. Es gibt wieder genug Lokführer:innen und die Einschnitte im Fahrplan werden zurückgenommen: Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember fährt der Schienenpersonennahverkehr SPNV im Land wieder volles Programm.

Brüssel ist zwar nicht mit dem SPNV erreichbar, könnte Bund und Ländern bei dessen Finanzierung aber dennoch ziemlich ausbremsen. Jedenfalls dann, wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Brüssel die vom Bund beschlossene Trassenpreisbremse kippt. Berlin hat mit einem Gesetz die Preiserhöhungen bei der Schienenmaut für Nah- und Regionalverkehrszüge an die Entwicklung der Regionalisierungsmittel gekoppelt und die Preise dadurch gedeckelt. Das Verwaltungsgericht Köln stellt die Rechtmäßigkeit des Gesetzes in Frage (Az. 18 L 678/24) und bat den EuGH um Prüfung.

Es weihnachtet sehr im Nahverkehr (7. Dezember 2025)

Text: Carsten Hänche

Die Vorweihnachtszeit und der ÖPNV haben mehr Verbindungen als viele vielleicht denken. Der Begriff „Advent“ leitet sich vom lateinischen Adventus ab, was „Ankommen“ bedeutet. Verwirrenderweise ist damit aber nicht Ankunft gemeint, sondern die Wartezeit. Ein Grinch, wer dabei Böses denkt, mit Blick auf den ÖPNV vielleicht sogar an Verspätungen. Ganz im Gegenteil: Die Christkindltram der MVG bummelt nämlich schon seit 30 Jahren zuverlässig an den Adventswochenenden durch die Münchner Innenstadt. Mit an Bord: Glühwein und Lebkuchen für die Fahrgäste. Die Christkindltram ist so beliebt, dass sich Oberbürgermeister Dieter Reiter in diesem Jahr persönlich einmischte, als das Gerücht über eine Online-Reservierungspflicht die Runde machte. „Ich kann Entwarnung geben: Nach Aussage der MVG ist es möglich, auch Tickets ohne vorherige Online-Buchung vor Ort zu kaufen.“

Auch in anderen Städten weihnachtet es sehr im Nahverkehr: In Braunschweig fährt 2025 zum ersten Mal eine Weihnachtstram. Die Ruhrbahn setzt in dieser Saison sogar gleich zwei festliche Straßenbahnen ein, eine in Essen und eine in Mühlheim. Inspirieren ließ sich das Projektteam vom legendären Coca-Cola-Truck – verpasste dem Weihnachtsmann, der auf den Wagons klebt, aber Mantel und Mütze in Ruhrbahn-Gelb. Bei vhh.mobility in Hamburg sind sogar vier Busse unterwegs, die auch im Innenraum für Besinnlichkeit sorgen – mit einem Santa Claus, der kleine Überraschungen verteilt, Haltegriffen in Zuckerstangenoptik und sogar mit einem bunten Weihnachtsbaum.

Das hat in der Redaktion die Frage aufgeworfen, wie die Mitnahme von Tannenbäumen im ÖPNV überhaupt geregelt ist. Ergebnis der Recherche: Grundsätzlich ist das möglich, wenn das gute Stück ordentlich verpackt ist, niemanden stört, den Weg nicht versperrt und Bus oder Bahn nicht allzu voll sind. Das letzte Wort hat das Personal. Es bleiben also ein Rest an Uneindeutigkeit und erwartungsvolle Spannung. Aber das gehört an Weihnachten ja schließlich dazu.

Von Bella bis Bernreiter: So sehr begeistert der ÖPNV die Bayern (26. November 2025)

Text: Frank Sträter

Das Timing hätte kaum besser sein können. Kurz vor der Halbzeit des bayerischen Vorsitzes der Verkehrsministerkonferenz haben reiselustige Fahrgäste dem Schienenpersonennahverkehr im Freistaat einen neuen Rekord beschert: Mit insgesamt zwölf Milliarden Personenkilometern ist die Summe aller Wegstrecken, die sie im Jahr 2024 in den SPNV-Linien des Landes zurückgelegt haben, größer als jemals zuvor. „Die Schiene lebt“, bringt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, aktuell Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, den Zuwachs um 16 Prozent auf den Punkt. Dank Deutschlandticket ist die Nachfrage auch außerhalb der Ballungszentren gestiegen, weil dessen Abonnent:innen bevorzugt in Expresszügen mit längerer Wegstrecke und Zügen zu touristischen Destinationen unterwegs sind.

Wie ein Blick in den Landkreis Dachau zeigt, nehmen in Bayern mittlerweile selbst Hunde gerne die Bahn. So geschehen im beschaulichen Bergkirchen, wo sich die vierjährige Mischlingshündin Bella kurzerhand mit der S2 auf den Weg zum Supermarkt im benachbarten Schwabhausen machte. Ob sie es aus freien Stücken und und eigenständig auch wieder zurückgeschafft hätte, konnte die herbeigerufene Polizei zwar nicht ermitteln. Dafür gelang es einer Polizistin, den Beagle-Mix mit Hilfe eines Wiener Würstchens davon zu überzeugen, sich anleinen und anschließend im Streifenwagen wieder nach Hause bringen zu lassen.

Multimodale Kompetenz war auch beim Grundschulwettbewerb „Fit in die Schule, fit für die Zukunft“ gefragt, der erstmals in den MVV-Verbundlandkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Freising, Miesbach und Starnberg ausgetragen wurde. Beim Wettbewerb ging es darum, möglichst selten mit dem Elterntaxi, dafür aber um so öfter zu Fuß, mit dem Roller, dem Rad oder Bus und Bahn zum Unterricht zu kommen. Das Rennen in der Gesamtwertung machten schließlich die Kinder der Ferdinand-Feldigl-Grundschule Jachenau. Sie dürfen nun im rollenden Simulator der S-Bahn München ausprobieren, wie es sich anfühlt, eine S-Bahn zu steuern.

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